Der Papst hat geweint

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"Es ist eine große Herausforderung für die Opfer pädophiler Gewalt, das Wort zu ergreifen und davon zu berichten, was sie aushalten mussten und zu beschreiben, wie die traumatischen Erlebnisse von einst noch Jahre später sie quälen“. Mit diesen Worten im Vorwort des Buches „Pater ich vergebe Euch“ von Daniel Pittet beschreibt Papst Franziskus die Schwierigkeiten für Opfer sexueller Gewalt, ihre Geschichte öffentlich zu machen und von ihren Misshandlungen zu berichten. Daniel Pittet war als kleiner Junge seit dem 9. Lebensjahr vielfach von seinem Priester vergewaltigt worden und war dennoch nicht daran zerbrochen. Seine Geschichte hat er im Buch „Pater ich vergebe Euch“ beschrieben, das am vergangenen Samstag, den 16. September 2017, in der Deutschen Botschaft beim Hl. Stuhl unter Anwesenheit des Autors vorgestellt wurde. Nach der Begrüßung und einführenden Worten von Botschafterin Schavan nahm Pater Zollner, Leiter des Kinderschutzzentrums an der Päpstlichen Universität Gregoriana, die Veröffentlichung des Buches zum Anlass, um das Verhältnis von katholischer Kirche und sexueller Gewalt grundsätzlich zu beleuchten.

Zollner kritisierte dabei das Fehlen einer christlichen Theologie der Prävention von Missbrauch und forderte eine Kultur der Aufmerksamkeit. Er dankte Pittet in besonderer Weise für seinen „Mut, seine Offenheit, sein Glaubenszeugnis, durch die er uns an seiner Lebens- und Leidensgeschichte wie auch an seiner Vergebungs-, Heilungs- und Heilsgeschichte teilhaben lässt“. Denn, wie Pater Zollner mit Blick auf die Worte von Papst Franziskus hervorhob, machen es Zeugnisse wie das von Daniel Pittet erst möglich, „das bleierne Schweigen angesichts der Skandale und Leiden zu überwinden, bringen sie doch Licht in ein schreckliches Dunkel, das sich im Leben der Kirche verbirgt“. Zollner rief angesichts dieser Schicksale dazu auf, neue Gemeinschaften und Gemeinden zu gründen, die sich für die Betroffenen von Missbrauch einsetzen.

Zum Abschluss der Buchvorstellung ergriff der Autor persönlich das Wort und schilderte in eindrücklichen Worten, wie es ihm allein durch die Vergebung seines Peinigers möglich wurde, nach dem sexuellen Missbrauch ein freies Leben zu führen. An eine Veröffentlichung seiner Erlebnisse hatte Pittet lange nicht gedacht. Als Papst Franziskus jedoch seine Geschichte hörte, forderte er ihn unter Tränen auf, seine Geschichte aufzuschreiben und zu veröffentlichen. Das Ergebnis ist nicht nur eine Geschichte der Vergebung. Für Pittet ist es gleichzeitig ein Beitrag im Kampf gegen Pädophilie, dem er sich bis zu seinem Lebensende verschrieben hat.

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