(Re)thinking Europe - Europa neu denken

Kardinalstaatssekretär Parolin und Kardinal Marx bei der Konferenz Bild vergrößern (© Deutsche Botschaft beim Heiligen Stuhl)

Vom 27. bis 29. Oktober 2017 haben zahlreiche Vertreter von Kirche, Politik und Wissenschaft im Vatikan über Europa diskutiert. Der Kongress „(Re)thinking Europe“ war von der Kommission der Bischofskonferenzen (ComECE) organisiert worden, um über die grundlegenden Herausforderungen in Europa zu diskutieren. Der Kongress, anlässlich des Jubiläums von 60 Jahren Römische Verträge veranstaltet, bot eine offene Debatte zwischen den Teilnehmern mit unterschiedlichen geografischen, kulturellen, religiösen und sprachlichen Hintergründen.

Aus Deutschland nahmen der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, Dr. Norbert Röttgen, wie auch der Vorsitzende der Europäischen Volksparten und Christdemokraten, Manfred Weber, an dem Kongress teil. Aus München war die Junior-Professorin für Politische Philosophie und Theorie der Hochschule für Politik, Prof. Lisa Herzog, angereist.

Zudem waren zahlreiche Kirchenvertreter aus Deutschland bei dem Kongress zu Gast. Neben Kardinal Marx sind als Mitglieder der Deutschen Bischofskonferenz Erzbischof Dr. Ludwig Schick (Bamberg), Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck (Essen), Weihbischof Rolf Lohmann (Münster), Weihbischof DDr. Anton Losinger (Augsburg) und Weihbischof Rupert Graf zu Stolberg (München und Freising) sowie der Leiter des Katholischen Büros, Prälat Dr. Karl Jüsten (Berlin), anwesend gewesen. Ebenso nahm der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Landesbischof Dr. Heinrich Bedford-Strohm, teil.

Kardinal Marx betonte bei dem Kongress die Notwendigkeit, gemeinsam das europäische Projekt voranzubringen: „Die Europäische Union und ganz Europa stehen vor großen Herausforderungen, die nicht auf Europa allein beschränkt sind, auf die die Bürger von Politikern und von der Politik – wenn schon nicht abschließende Antworten –, dann doch eine deutliche Zielsetzung und Perspektive erwarten“, betonte der Präsident der Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Gemeinschaft (ComECE) und Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz auf einer Pressekonferenz in Rom unmittelbar vor Beginn des Kongresses „(Re)thinking Europe“. Angesichts der großen und wichtigen Herausforderungen in Form des Klimawandels, der zunehmenden Veränderungen in der Arbeitswelt durch Digitalisierung und den aktuellen Fragen der Flucht- und Migrationsbewegungen sei es falsch, einer falsch verstandenen „Rückkehr zum Bewährten“ anheim zu fallen, die oft romantische Verklärung der Vergangenheit sei. „Auch populistische und rückwärtsgewandte politische Strömungen sind ein Ausdruck dafür. Das ist aber nicht unsere Perspektive: Es geht nicht um den beschönigenden Rückblick, sondern es geht um einen klaren Blick auf unsere Gegenwart und vor allem auf die Zukunft“, betonte Kardinal Marx.

Am Samstag hat auch Papst Franziskus auf dem Kongress gesprochen, um erneut sein Engagement für eine gemeinsame Reflexion über die Zukunft der Europäischen Union zu bekräftigen und an den Einsatz der Kirche für dieses Friedensprojekt zu erinnern. Zu Europa sagte er: "Heute muss ganz Europa, von Atlantik zum Ural, vom Nordpol bis zum Mittelmeer, die Gelegenheit ergreifen, vor allem ein Ort des Dialogs zu sein, ehrlich und konstruktiv zugleich, in dem allen Beteiligten die gleiche Würde zukommt. Wir sind aufgerufen, ein Europa zu erbauen, in
dem man sich auf allen Ebenen begegnen und auseinandersetzen kann – gewissermaßen wie die Agora der Antike."