Austausch mit der Deutschen Lepra- und Tuberkulosehilfe nach Tod von Dr. Ruth Pfau

Die Mitglieder der Ruth-Pfau-Stiftung mit Botschafterin Annette Schavan Bild vergrößern (© Deutsche Botschaft beim Heiligen Stuhl)

„Ich bin also meinen Weg gegangen“ – dieses Zitat von Dr. Ruth Pfau spiegelt den Grundsatz der deutschen Ärztin wider, die durch ihr jahrzehntelanges Engagement gegen Lepra und Tuberkulose in Pakistan berühmt geworden ist. Ruth Pfau lebte seit 1960 in Pakistan und hatte in Karachi das Marie-Adelaide-Lepra-Zentrum (MALC) gegründet. Daneben war sie zeitweise Nationale Lepraberaterin der pakistanischen Regierung und baute ein Lepraprogramm in Afghanistan auf. Sie arbeitete dabei eng mit der Deutschen Lepra- und Tuberkulosehilfe e.V. (DAHW) zusammen, die durch Förderung medizinischer und sozialer Projekte ausgrenzende und stigmatisierende Krankheiten bekämpft. Vor zwei Monaten, am 10. August, verstarb Ruth Pfau im Alter von 87 Jahren. In Anerkennung ihres Einsatzes für die pakistanische Bevölkerung erhielt sie ein pakistanisches Staatsbegräbnis und wurde vom pakistanischen Außenministerium in dessen Botschaft als „Nationalheldin“ gewürdigt.

Am 18. Oktober kam eine Delegation der Deutschen Lepra- und Tuberkulosehilfe e.V. sowie der Nachfolger von Ruth Pfau beim MALC, Hr. Mervyn Lobo,  zum Austausch in die Deutsche Botschaft beim Hl. Stuhl. In den Gesprächen ging es dabei neben der Bekämpfung von Lepra und Tuberkulose in Pakistan und der Welt auch um das Leben und Lebenswerk von Ruth Pfau. Denn Ruth Pfau kämpfte als katholische Ordensschwester nicht nur gegen vernachlässigte Krankheiten der Armut. Sie engagierte sich auch lebenslang für Frieden und Dialog der Religionen: "Gebet und Praxis gehören zusammen: Dem Anderen helfen in seiner Not, diese elementare Beziehung von Mensch zu Mensch, liegt noch vor jeder religiösen oder kulturellen Differenz. Wenn ich dem anderen helfe, gibt es kein Akzeptanzproblem“, fasste sie diese Verbindung von Glauben und Engagement einmal in einem Interview zusammen.

Als Deutsche, die den größten Teil ihres Lebens in Pakistan verbrachte, hatte Ruth Pfau selbst ein interkulturelles Leben geführt. Es verwundert daher nicht, dass ihr der Dialog zwischen den Religionen und Kulturen besonders am Herzen lag. In einem Interview kurz vor Ruth Pfaus Tod betonte ihr jahrelanger Vertrauter und jetziger Leiter des Zentrums, Mervyn Lobo:„Natürlich gibt es auch für Dr. Pfau Dinge, die sie in Pakistan nicht versteht und die sie nie verstehen wird, auch wenn sie noch so lange hier lebt. Sie weiß das auch. Aber was ihr Leben bedeutend macht, ist – neben vielem anderen – auch, dass sie kulturelle Brücken zwischen dem Westen und dem Osten geschlagen hat, dass sie zum gegenseitigen Verstehen so viel beigetragen hat und immer noch beiträgt. Ihr Impuls wird weiter wirken.“

Botschafterin Annette Schavan mit dem Vorsitzenden Merwyn Lobo Bild vergrößern (© Deutsche Botschaft beim Heiligen Stuhl)